Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen

Im Porträt: Wege e.V.

Psychisch kranken Müttern fällt es schwer, eine Bindung zu ihren Kindern zu entwickeln. „Gerade diese Frauen haben in unserer Gesellschaft mit Anfeindungen zu kämpfen, schließlich wird von ihnen Fürsorglichkeit erwartet.“ Darauf weist Monika Schöpe hin, Vorstandsvorsitzende von Wege e.V., Verein Angehöriger und Freunde psychisch Kranker in Leipzig. „Selbst aus der eigenen Familie werden sie manchmal ausgestoßen.“ Im neuen Projekt „Familienhaus Wege“ werden die jungen Mütter und ihre Kinder ab Sommer 2014 Zeit, Ruhe, Schutz und Geborgenheit finden, um unter fachlicher Betreuung eine Mutter-Kind-Bindung aufzubauen und zu festigen.

Lebensräume

Wege e.V. ist einer der vier Preisträger des DGPPN- Antistigma-Preises. Entstanden aus einer Selbsthilfegruppe von Angehörigen entwickelt der Verein heute passgenaue Versorgungsangebote für psychisch kranke Menschen. Das Preisgeld von 2.500 Euro, das von der Stiftung für Seelische Gesundheit und dem Aktionsbündnis Seelische Gesundheit gestiftet wird, möchte der Verein für das Familienhaus verwenden, um den Innenhof umzugestalten und die Räume kindgerecht auszubauen. Das Familienhaus ist einer von vielen Lebensräumen, die Wege e.V. psychisch kranken Menschen und deren Angehörigen anbietet. Das Projekt „ABW“ bietet ambulant betreutes Wohnen für Erwachsene mit einer psychischen Erkrankung und einen Lebensraum zur Bewältigung seelische Krisen. Das Projekt „Boje“ richtet sich an psychisch erkrankte Jugendliche und in der Kinder-, Jugend- und Familienberatungsstelle „Auryn“ finden Kinder Unterstützung, bei denen ein Elternteil psychisch erkrankt ist. Im Integrationsprojekt „Distel“ können Menschen mit langjähriger Psychiatrieerfahrung eine sinnvolle Beschäftigung in der Grünpflege finden. Koch- und Backkurse, Holzarbeiten, Yoga oder Tanzen – um Bewegung und Beschäftigung geht es auch bei dem Projekt „Neuer Schwung“.

Gelebter Trialog

Ergänzt werden diese vielfältigen Projekte durch zahlreiche Selbsthilfegruppen – zum Beispiel für Väter, Söhne, Partner seelisch kranker Familienangehöriger, für Eltern von seelisch kranken Kindern, für Angehörige um Suizid oder für Eltern, die selber psychisch erkrankt sind. „In unserem Verein ist der Trialoggedanke zentral“, betont Monika Schöpe, „also der gelebte Austausch auf Augenhöhe zwischen Psychiatrie-Erfahrenen, Angehörigen und professionellen Fachkräften.“ Im Sinne dieser Trialogidee steht die Kontakt- und Beratungsstelle im Zentrum aller Angebote von Wege e.V. und führt die Betroffenen, deren Angehörige und Freunde, Psychologen, Ärzte, Sozialarbeiter, Pflegepersonal und Förderer zusammen.

Monika Schöpe ist selber betroffene Angehörige: Ihre beiden Söhne sind psychisch krank, der eine ist an einer Psychose erkrankt, der andere an einer Depression. Sie habe jahrelang gebraucht, um die Veränderungen ihrer Kinder als Krankheit zu erkennen und zu akzeptieren. Das möchte sie anderen ersparen. Ihr eigenes Familienschicksal hat sie 1995 in ein Hilfsangebot umgewandelt – für sie ein Weg, um psychischen Erkrankungen einen Sinn zu geben und sie zu entstigmatisieren. Schöpe: „Respektieren, dass jemand extrem sensibel ist und eine hochempfindliche Seele hat, und lernen damit umzugehen – das ist unser Ziel.“


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