Inklusion: „Psychisch krank und mittendrin?!“

Zurück in den Job – Teilhabe am Arbeitsleben

Der Verlust des Arbeitsplatzes ist für Psychiatrie-Erfahrene wie Fachleute die größte Gefahr, die einer Teilhabe entgegensteht. Das ergab eine Befragung des Dachverbandes Gemeindepsychiatrie e.V. im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit. Die Statistik bestätigt das: Psychische Erkrankungen sind die Hauptursache für eine frühzeitige Erwerbsunfähigkeit. Und nur zehn Prozent aller psychisch Erkrankten arbeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt. „Dagegen bilden Behindertenwerkstätten zunehmend ein Auffangbecken für Menschen mit psychischen Erkrankungen“, berichtet Prof. Steffi Riedel-Heller. „Doch Arbeit in geschützten Werkstätten und soziale Absicherung durch frühe Berentung können die Chancen einer regulären Erwerbstätigkeit nicht ersetzen.“

Dabei sind die Leistungen zur Arbeitsrehabilitation in Deutschland breit gefächert: Angefangen mit arbeitstherapeutischen Maßnahmen in psychiatrischen Kliniken über Rehabilitationseinrichtungen für psychisch Kranke, Berufliche Trainingszentren, Berufsförderungswerke, Berufsbildungswerke oder auch Werkstätten für behinderte Menschen. Zu den neueren Entwicklungen zählen Zuverdienstfirmen oder Integrationsbetriebe – rechtlich selbstständige Unternehmen, die Menschen mit Behinderungen beschäftigen und sich dem ersten Arbeitsmarkt annähern.

„First Train“ oder „First Place“?

Die Angebote in Deutschland stehen in der Tradition des „First train then place“ – ein Ansatz, bei dem Berufsvorbereitungstrainings die Betroffenen für den ersten Arbeitsmarkt fit machen sollen. „Die internationale Literatur zeigt dagegen, dass das umgekehrte Prinzip, - „First place then train“ -, effektiver ist als der traditionelle arbeitsrehabilitative Ansatz in Deutschland“, sagt Riedel-Heller. Studien aus den USA, aber auch aktuelle Ergebnisse aus der Schweiz sprechen deutlich für das sogenannte Supported Employment, bei dem Job-Coaches die Betroffenen am Arbeitsplatz begleiten und trainieren. Weil sich die Sozialsysteme und Arbeitsmarktgegebenheiten von Land zu Land unterscheiden, ist allerdings noch nicht geklärt, inwiefern sich dieses Prinzip des „First place then train“ auf Deutschland übertragen lässt.

Doch auch in Deutschland werden Ansätze des Supported Employment bzw. der „Unterstützten Beschäftigung“ verfolgt, wie Heiko Kilian betont, Geschäftsführer des Beruflichen Trainingszentrums Rhein-Neckar. Die etwa 25 Beruflichen Trainingszentren (BTZ) in Deutschland bereiten speziell Menschen mit psychischen Erkrankungen auf den ersten Arbeitsmarkt vor, finanziert von der Rentenversicherung oder Arbeitsagentur. „Bei den BTZs gibt es eine Mischung: Die Teilnehmer beginnen ein berufliches Training im Haus und absolvieren während des Trainings Praktika in den Betrieben. Häufig werden sie dann übernommen“, so Kilian.

Auch eine Nachbetreuung am Arbeitsplatz ist garantiert. Die Erfolgsquoten können sich sehen lassen, wie Kilian berichtet: „Nach einem halben bis einem Jahr nach Ende des Trainings haben bei uns 60 bis 70 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden.“

Tipp: Gemeinsame Servicestellen

Doch nicht jeder psychisch erkrankte Mensch ist so belastbar, dass er auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen könnte. Deshalb gilt es, das gesamte Spektrum zu nutzen. Doch wie an eine passgenaue Reha-Maßnahme herankommen? Dafür muss ein „Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“ ausgefüllt werden, kurz: LTA. Am besten wenden sich die Betroffenen an die „Gemeinsamen Servicestellen“ von Arbeitsagentur und Rentenversicherer, siehe www.reha-servicestellen.de.


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