Psychische Erkrankungen im Film

Humor verbindet – Neuere Entwicklungen im Kino

Ein abgehalfterter Moderator, eine überforderte Mutter eines schwerstbehinderten Sohnes, ein lebensmüder Pizzafahrer, der eigentlich Rockstar werden wollte, und eine schwer erziehbare Politikertochter treffen sich auf dem Dach eines Londoner Hochhauses: Sie alle wollen sich in der Silvesternacht umbringen, tun es aber nicht. „A Long Way Down“ (2014), zum ersten Mal auf der Berlinale zu sehen, ist eine britische Komödie nach einem Roman von Nick Hornby über ein Thema, das sich am wenigsten dazu eignet: über den Selbstmord.

Betroffene wünschen es sich lustiger

Verbands für Film- und Fernsehdramaturgie e.V. „Wenn der Zuschauer gemeinsam mit den Figuren lacht, kann das die Diskrepanz zwischen der sich als normal begreifenden Gesellschaft und den psychisch Kranken aufheben. Auch beispielsweise mit „Der Biber“ (2011) über einen Familienvater mit einer chronischen Depression oder mit „Silver Linings“ (2012) – der Protagonist leidet an der bipolaren Störung – gelingen Komödien um psychisch labile Charaktere. Selbst das deutsche Kino, das eher zu Dramen neigt, scheint sich diesem Trend anzuschließen, denkt man an Filme wie „Vincent will Meer“ (2010) oder „Suicide Club“ (2010), der sich schon Jahre vorher der Romanvorlage von „A Long Way Down“ angenommen hat. Das scheint auch im Sinne der Betroffenen zu sein: Die wünschen sich in den Medien eine humorvolle, nicht so schwer beladene Darstellung von psychischer Krankheit, laut einer Befragung des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit.

Positive Klischees

Prof. Wolfgang Gaebel, Vorsitzender des Aktionsbündnisses, stellt fest, dass seit etwa den 90er Jahren psychisches Leiden nicht mehr nur als etwas Geheimnisvolles, Unheimliches konzipiert wird, sondern positive Züge gewinnt. „Menschen mit psychischen Erkrankungen geben gesunden Menschen Impulse zur Bewältigung wie in ‚Rainman’ zum Beispiel oder sind überdurchschnittlich begabt wie in ‚Shine’ und ‚A beautiful Mind’“, so Gaebel. Wobei auch das schnell zu einem Klischee gerinnt, wenn auch zu einem positiven. „A beautiful Mind“ (2001) ist auch ein Beispiel dafür, dass nicht nur die Nebenwirkungen, sondern auch die schützende Wirkung von Medikamenten in den Fokus rückt: Als der Protagonist Nash seine Medikamente absetzt, kommt es zu einem schweren Rückfall.

Seit etwa der Jahrtausendwende finden Filmemacher Bilder für das Innenleben des Erkrankten (Beispiel „Das weiße Rauschen“, 2001) oder wenden sich dem sozialen Umfeld zu (Beispiel „Aus tiefster Seele“, 2006, oder „Ein Tick anders“, 2011). Wobei vermutet werden kann, so der Psychiater Gaebel, „dass Filme, die mehr die soziale Unterstützung, Lebensbewältigung und Wiedereingliederung zeigen, eine positive Wirkung auf das Publikum haben.“


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