Psychopharmaka – Fluch oder Segen?

Die Bedeutung der Psychopharmaka

Psychopharmaka wirken aufs Gehirn, aufs Fühlen, Erleben und Handeln. „Doch sie verändern nicht die Persönlichkeit, sondern bekämpfen die Symptome, die bei den Patienten einen hohen Leidensdruck verursachen“, erklärt Dr. Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Sie stellen nicht ruhig, sondern setzen an den biologischen Ursachen der Erkrankung an, indem sie einen Mangel oder Überschuss von bestimmten Botenstoffen im Gehirn (Neurotransmitter) regulieren. Und die meisten Medikamente – allen voran die beiden Hauptgruppen Antidepressiva und Antipsychotika (s. Teil VI) – machen auch nach jahre- oder jahrzehntelanger Einnahme nicht abhängig.

Die Entdeckung der Psychopharmaka in den 50er Jahren hat die Psychiatrie radikal verändert: „Die Krankheitsverläufe sind wesentlich besser und Zwangsmaßnahmen viel seltener geworden, so dass die Patienten schneller ins Leben zurückfinden“, sagt die DGPPN-Präsidentin. Die Patienten verbringen nicht mehr Monate oder gar Jahre in den psychiatrischen Kliniken, sondern durchschnittlich nur noch um die 20 Tage. Denn viele schwere psychische Erkrankungen, wie Depression, Schizophrenie oder bipolare Störungen, werden durch Psychopharmaka erst behandelbar: Sie legen die Basis für eine Psychotherapie, wo auch die psychologischen Ursachen behandelt werden können.

Medikamente sind also in einer Akutphase oft unabdingbar, um den Patienten zu stabilisieren. Häufig ist auch eine Langzeittherapie angesagt, um Rückfälle zu verhindern. Internationale Studien belegen die Wirksamkeit der Psychopharmaka – vorausgesetzt, Indikation und Dosierung stimmen. „Psychopharmaka dürfen jedoch nicht isoliert betrachtet werden“, warnt der Vorsitzende des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit, Prof. Wolfgang Gaebel. „Sondern Medikamente bilden zusammen mit Psychotherapie und anderen Ansätzen, wie Ergo- oder Soziotherapie sowie Angehörigen- und Familiengesprächen, einen Baustein innerhalb eines Gesamtbehandlungsplans.“


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