Psychopharmaka – Fluch oder Segen?

„Eine Manie fühlt sich irre gut an“ – Der Musiker Martin Kolbe

Nach seiner letzten manischen Phase war alles kaputt in seinem Leben: Er hat seine Familie, seine Wohnung und viel Geld verloren. Erst nach diesem Desaster im Sommer 2003 hat er seine Krankheit akzeptiert und war bereit, etwas zu tun. Der 58-jährige Musiker Martin Kolbe ist seit 1979 an einer bipolaren Störung erkrankt, bei der sich manische und depressive Phasen abwechseln. Gegen Tabletten hat er sich lange gewehrt: „Das Gemeine ist: Eine Manie fühlt sich irre gut an, und mit einer Pille wird alles langweilig, da hat nichts mehr geglitzert und gefunkelt“, berichtet der Musiker, der Ende der 70er-Jahre zusammen mit Ralf Illenberger als Gitarren-Duo Kolbe & Illenberger bekannt geworden ist.

Über ein Forum der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) e.V. ist Martin Kolbe auf ein Medikament gestoßen – ein atypisches Neuroleptikum (s. Teil VI) –, das er seit vielen Jahren in niedriger Dosierung nimmt, um seinen Schlafrhythmus zu regulieren. „Wenn ich das Gefühl habe, wieder zu viel Wind unter den Flügeln zu bekommen, setze ich die Dosierung hoch“, sagt Kolbe. So kann er eine Manie gut abfangen, bevor er richtig „abhebt“. Als „Bodenstation“ dient ihm ein niedergelassener Psychiater, den er regelmäßig aufsucht. „Er hat den neutralen Blick von außen, das gibt mir Sicherheit.“

Er fährt gut mit dieser Strategie, seit einiger Zeit steht er auch wieder auf der Bühne. Doch Kolbe, der sich heute in der DGBS als stellvertretender Vorsitzender engagiert, betont, dass jeder Fall anders liegt. „Vielen Betroffenen hilft zum Beispiel Lithium – das Mittel der ersten Wahl bei einer bipolaren Störung“, so Kolbe. Andere wiederum sind trotz vieler Medikamente nicht ganz stabil. Und manche kommen auch klar, ohne langfristig Tabletten zu nehmen.


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