Schizophrenie verstehen und bewältigen

„Ich lebe mein Leben“ – Therapie

Oft suchen die Betroffenen sehr spät Hilfe – auch aus Angst davor, Vorurteilen ausgesetzt zu sein. Dabei kann ihnen mit einer Kombination von Medikamenten, Psychotherapie und Soziotherapie gut geholfen werden. Moderne Medikamente sind in der Lage, insbesondere die Symptome einer akuten Krise – wie Wahnvorstellungen oder Halluzinationen – weitgehend zu reduzieren oder ganz einzudämmen.

Üblicherweise kommen Neuroleptika zum Einsatz, die sich ausgleichend auf den Stoffwechsel des Hirnbotenstoffs Dopamin auswirken. Dabei wird zwischen den Neuroleptika der ersten und zweiten Generation unterschieden, auch „typische“ oder „atypische“ Antipsychotika genannt. „Bei einer Ersterkrankung werden den Patienten in der Regel die neueren Antipsychotika empfohlen, weil sie weniger Nebenwirkungen haben als die älteren Medikamente“, berichtet die Psychiaterin Janssen. Doch viele psychosekranke Menschen erleben die Nebenwirkungen auch der neueren Medikamente als durchaus belastend, was durch eine einfühlsame Begleitung aufgefangen werden kann.

Neue Patientenleitlinie

In der Phase der Stabilisierung gewinnen psychosoziale Therapien an Bedeutung. In einer psychotherapeutischen Praxis finden die Patienten professionelle Unterstützung, dort haben sie die Möglichkeit, den Sinn ihrer Psychose zu ergründen, sie lernen, besser mit Stress und Konflikten umzugehen und wie sie Vorboten eines Rückfalls frühzeitig erkennen können. Eine Soziotherapeutin oder auch ein Ergotherapeut unterstützt dabei, den Tag zu strukturieren, die alltäglichen Aufgaben zu bewältigen und die Behandlung zu koordinieren. Denn das ambulante Hilfesystem ist komplex: auch der Hausarzt, ein niedergelassener Psychiater, Selbsthilfe- und Angehörigengruppe, sozialpsychiatrischer Dienst, Institutsambulanz und möglicherweise eine Tagesklinik können eingebunden werden. Einen Überblick für Betroffene und Angehörige liefert die neue Patientenleitlinie „Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen“ der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).

„Mit Hilfe dieser Angebote gelingt es, bei etwa 70 Prozent aller Patienten eine relative Symptomfreiheit zu erreichen und das Risiko für Rückfälle zu senken“, berichtet Prof. Gaebel. Trotzdem bleiben viele Patienten auch langfristig beeinträchtigt und haben Probleme, einen Beruf auszuüben oder eine Partnerschaft einzugehen. „Aber ich kriege mein Leben ohne stationäre Psychiatrie hin, auch wenn ich zwischenzeitlich therapeutische Hilfe benötige“, schreibt eine Betroffene in dem Buch „Der Sinn meiner Psychose“. „Ich lebe mein Leben, ich entscheide, ich kenne meine Begrenzungen, manchmal spüre ich auch meine Weite und mein Glück, die im Überleben und Überstehen von Krisen entstanden sind.“


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