Schizophrenie verstehen und bewältigen

Schizophrenie – eine Einführung

Schizophrenie ist die schillerndste unter den psychischen Erkrankungen. Und die Erkrankung, die mit den meisten Vorurteilen belegt ist. Die komplexen Symptome sowie die Stigmatisierung sind für Betroffene und Angehörige eine massive Belastung. Die World Federation for Mental Health (WFMH) hat dieses Jahr den Welttag seelische Gesundheit am 10. Oktober 2014 unter das Motto „Living with Schizophrenia“ gestellt.

Ganz unvermittelt wollte der 18-jährige Holger nicht mehr zur Schule gehen. Es herrsche dort ein fürchterliches Klima. Fast alle hätten etwas gegen ihn. Sie tuschelten und redeten hinter seinem Rücken. Auch das Handball-Training stellte Holger ein und überwarf sich mit seinem Klavierlehrer. Zu Hause stand er stundenlang vor dem Spiegel und betrachtete sein Gesicht. Es wurde ihm alles zu viel, zu laut und zu grell. Er fühle sich von innen durch seine Gedanken und von außen durch die Menschen bedrängt.

So beginnt die Krankheitsgeschichte eines jungen Mannes, die der Psychiater Asmus Finzen in seinem Buch über Schizophrenie beschreibt (s. unter 4.). Menschen, die an einer Schizophrenie erkranken, verändern sich und verlieren phasenweise den Kontakt zur Wirklichkeit. Das macht die Erkrankung so bedrohlich für die Betroffenen, die Angehörigen und die Öffentlichkeit. „Noch immer ist eine Schizophrenie mit vielen Vorurteilen belegt“, betont Prof. Wolfgang Gaebel, Vorsitzender des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit, anlässlich des Welttages seelische Gesundheit am 10. Oktober. So ist „schizophren“ im Sinne von „gespaltener Persönlichkeit“ ein gängiges Schimpfwort. „Dieser Gebrauch ist falsch“, warnt Gaebel. Zwar bedeute das altgriechische Wort schizein „abspalten“. „Doch damit ist das Nebeneinander von gestörtem und ungestörtem Erleben und Verhalten und das Auseinanderfallen von Realität und erlebter Realität gemeint“, sagt der Psychiater.

Vielfältige Ursachen

Die Diagnose Schizophrenie ist keine seltene: Etwa ein Prozent der Bevölkerung sind erkrankt, aktuell ist von etwa 800.000 Betroffenen in Deutschland auszugehen. Damit treten schizophrene Psychosen ungefähr so häufig auf wie eine insulinpflichtige Diabeteserkrankung. Die meisten erkranken zwischen der Pubertät und dem 30. Lebensjahr, also in einer Zeit, in der Schulabschluss, Ablösung von den Eltern, Berufsfindung und Familiengründung anstehen, so dass die Erkrankung oft dazu zwingt, Lebensentwürfe zu verändern. „Für einen Ausbruch der Psychose müssen einige Faktoren zusammenkommen“, berichtet Prof. Gaebel, „nämlich eine biologische Anlage, wie Erkrankungen in der Familie oder Komplikationen in der Schwangerschaft, sowie psychosozialer Stress oder kritische Lebensereignisse.“ Auch der Konsum von Drogen – vor allem von Cannabis – kann Wegbereiter für die Krankheit sein.


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