Psychopharmaka – Fluch oder Segen?

„Die rosa Brille“ – Vorurteile

Psychopharmaka haben einen schlechten Ruf: Die „Psychopillen“ legen lahm, machen abhängig und verändern die Persönlichkeit, so die gängige Einschätzung. Irreführende Schlagzeilen wie „Psychopillen lassen das Gehirn schrumpfen“ tragen dazu bei, dass sich Vorurteile verfestigen. „Eine einseitige Panikmache halte ich für schädlich, weil das Angehörige und Betroffene verunsichert und davon abhalten kann, überhaupt Hilfe in Anspruch zu nehmen“, kritisiert Janine Berg-Peer vom Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V.

Prof. Wolfgang Gaebel, Vorsitzender des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit und ärztlicher Direktor des LVR-Klinikums Düsseldorf, betont: „Die Wirksamkeit von Psychopharmaka ist bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie oder bipolaren Störungen belegt und insbesondere bei unsicheren Verlaufsformen meistens unverzichtbar.“

Doch noch immer glauben 40 Prozent der deutschen Bevölkerung, dass Psycho-Medikamente den Betroffenen eine „rosa Brille“ aufsetzen und „nur ruhig stellen“. Das zeigen repräsentative Befragungen zwischen 1990 und 2011.* Besonders hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass Psychopharmaka abhängig machen. Davon sind seit 1990 konstant zwischen 60 Prozent und 70 Prozent der Deutschen überzeugt – während die anderen negativen Einstellungen im Laufe der Jahrzehnte etwas abgenommen haben. Stimmten noch 1990 knapp 40 Prozent zu, dass Psychopharmaka „noch kränker machen“, waren es 2011 nur noch unter 20 Prozent. Doch insgesamt meinen nur knapp ein Drittel der Befragten, dass der Nutzen der Medikamente die Risiken überwiegt.

Auch unter den Betroffenen ist die Stigmatisierung von Medikamenten verbreitet. „Meine Tochter fühlte sich als Loser, weil sie Tabletten nehmen musste, um im Leben klar zu kommen“, berichtet Janine Berg-Peer, deren Tochter an Schizophrenie erkrankt ist. „Doch wenn die Medikamente sorgfältig verordnet werden, geben sie vielen Betroffenen wie meiner Tochter eine Chance, trotz Krankheit wieder ein selbstständiges und gelingendes Leben zu führen.“

* Angermeyer MC, Van der Auwera S, Matschinger H, Baumeister SE, Schomerus G: Public attitudes towards psychiatric medication 1990-2011. Manuscript in preparation.


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