Das Stigma, das oft mit einer psychischen Erkrankung einhergeht, erweist sich für die Betroffenen als schwerwiegende zusätzliche Belastung - zum Beispiel wenn sie als gefährlich, unberechenbar und unsozial dargestellt werden. Stigmatisierung gilt daher auch als „zweite Krankheit”. Sie kann nicht nur den Heilungsprozess erschweren, sondern auch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung verhindern. Denn aufgrund der negativen Attribute, die mit psychischen Erkrankungen verbunden werden, gehen viele Betroffene nicht oder erst spät zum Arzt oder Psychotherapeuten – und das nur, um die Diagnose „psychisch krank” zu vermeiden.

Das Bild, das sich die Öffentlichkeit von Menschen mit psychischen Erkrankungen macht, wird maßgeblich durch ihre Darstellung in den Medien geprägt. Dies gilt insbesondere für diejenigen Familien, in denen keine psychischen Erkrankungen aufgetreten sind. Oft ändert sich durch die eigene Nähe zu Betroffenen die Einstellung zu psychischen Erkrankungen und den Menschen, die damit in Berührung gekommen sind – wie das Beispiel des tragischen Suizids von Robert Enke eindrucksvoll zeigt.

Neben der persönlichen Betroffenheit ist die sachliche Information der Öffentlichkeit über psychische Störungen ein wichtiger Faktor, um das Verständnis für und die Akzeptanz von Menschen mit psychischen Erkrankungen in unserer Gesellschaft zu fördern. Eine Herausforderung für den Journalismus ist es daher, einerseits im Sinne der Pressefreiheit frei berichten zu können, andererseits aber auch die besonderen Belange von Menschen mit psychischen Erkrankungen zu verstehen, um ihrer Diskriminierung und Stigmatisierung nicht Vorschub zu leisten.

Ein Hauptanliegen des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit ist der Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Stereotype nämlich führen zu Ausgrenzung auf unterschiedlichen Ebenen: im Rahmen zwischenmenschlicher Beziehungen, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, bei der Wohnungssuche oder gar durch private Versicherungsanbieter.

Die folgenden Empfehlungen sind in einem über mehrere Jahre angelegten, vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekt entstanden. Ziel der Empfehlungen ist es, Sie, die Medienfachleute, für die besonderen Herausforderungen bei der Darstellung psychischer Erkrankungen und der von ihnen Betroffenen zu sensibilisieren, und Vorschläge für journalistische Vorgehensweisen zu machen, die helfen, Stigmatisierung und Diskriminierung zu vermeiden.

Für die Menschen, gegen Ausgrenzung!


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