Gerade Begriffe für psychische Erkrankungen werden häufig und leichtfertig metaphorisch angewandt und verzerren damit die Realität der Betroffenen. Eine rücksichtsvolle und sensible Formulierung kann hier für Klarheit und Akzeptanz sorgen.

  • Machen Sie sich mit den Termini vertraut. Vergewissern Sie sich, ob Sie medizinische und psychologische Begriffe „richtig“ verwenden – im Zweifelsfall wenden Sie sich an Psychiater oder Psychotherapeuten in Ihrem beruflichen Umfeld oder an das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit (zu den Experten). Hier können auch kurzfristig per E-Mail oder bei Eilbedarf telefonisch Informationen zu psychischen Erkrankungen sowie zu den Fachbegriffen eingeholt werden.
  • Wählen Sie eine angemessene Überschrift: Ist die psychische Erkrankung überhaupt Teil der zentralen Aussage Ihres Artikels?
  • Seien Sie spezifisch: Um welche psychische(n) Erkrankung(en) handelt es sich? Unter den Begriff „psychische Krankheiten“ fallen eine Vielzahl an Symptomen, Zuständen und Lebensveränderungen. Vermeiden Sie den Eindruck, alle psychischen Krankheiten seien gleich.
  • Bemühen Sie sich um eine wertfreie Sprache: Vermeiden Sie offensichtliche Beleidigungen, wie „Verrückte”, „Psychos“, „Wahnsinnige“, „Schizos“, „Irre“ etc.
  • Vermeiden Sie es, Bezeichnungen für psychische Erkrankungen metaphorisch zu verwenden: Der Begriff „schizophren“ zum Beispiel wird oft verwendet, um auszudrücken, jemand sei unberechenbar oder entscheidungsschwach.
  • Reduzieren Sie Menschen mit psychischen Erkrankungen nicht auf deren Diagnose. Versuchen Sie, den ganzen Menschen zu beschreiben, indem Sie die Person vor ihre Diagnose stellen („people first language“): Sprechen Sie von „Menschen mit psychischen Erkrankungen“, nicht von „psychisch Kranken“ oder gar von „Schizophrenen“. Betroffene empfinden solche Wortbildungen als ausgesprochen stigmatisierend und diffamierend.
  • Vermeiden Sie dramatische Beschreibungen, die Mitleid erzeugen: „A wurde heimgesucht von ...”, „A ist Opfer von …”.
  • Vermeiden Sie den Eindruck, Menschen mit psychischen Erkrankungen seien grundsätzlich gewalttätig, arbeitsunfähig, unberechenbar, vertrauensunwürdig oder schwach.
  • Gehen Sie vor allem nicht von einem grundsätzlichen Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und Gewalttaten aus. Nur weil eine Tat gewalttätig und schwer nachvollziehbar ist, bedeutet dies nicht, dass der Täter psychisch erkrankt sein muss.
  • Wägen Sie bei der Darstellung von Gewalttaten ab, welche Details zum Hergang wirklich relevant sind, um die Tat zu verstehen. Beenden Sie Ihre Recherche nicht nur deshalb, weil jemand psychisch krank war/ist, sondern bieten Sie Ihren Lesern unterschiedliche Erklärungen für ein Ereignis.
  • Betonen Sie den Verlaufscharakter und die vielen Behandlungsmöglichkeiten von psychischen Krankheiten. Vermeiden Sie den Eindruck, psychische Erkrankungen seien in jedem Fall lebenslange Begleiter: Eine Person ist nicht „eine Schizophrene“, sondern eine „Person, die zurzeit wegen einer Schizophrenie behandelt wird“.
  • Nehmen Sie in diesem Zusammenhang – wo immer möglich – Informationen über Telefon-Hotlines oder Anlaufstellen für Betroffene in die Berichterstattung mit auf.

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